Minergie Schweiz will von Italien profitieren

Minergie Italia

mge_gb25

Milton Generelli, Mitglied Geschäftsleitung Minergie Schweiz und Vizepräsident von Minergie Italien

Der Verein Minergie weitete im Jahr 2025 seine Bestrebungen für das klimafreundliche Bauen auf Italien aus und hat den Verein «Minergie Italien» mitgegründet. Projektleiter und Vizepräsident von Minergie Italien, Milton Generelli, wirft einen Blick zurück.

Milton Generelli, der Verein Minergie Italien wurde im Frühling 2025 gegründet und im November lanciert. Wie blicken Sie auf das Gründungsjahr zurück? 
Ich bin wirklich happy und die Verantwortlichen in Italien sind weiterhin sehr motiviert. Der Standard, der aus einer dreijährigen Entwicklungsphase hervorgegangen ist, stellt mich sehr zufrieden. Alle Beteiligten haben am selben Strang gezogen, mit dem Hauptziel, eine Qualitätssteigerung im Bauprozess zu erzielen.

Sie sind Geschäftsleitungsmitglied von Minergie in der Schweiz. Was erhoffen Sie sich von Minergie Italien?
Ich bin davon überzeugt, dass nicht nur Italien von der Schweiz profitieren wird, sondern auch umgekehrt. Gerade im Bereich der Kühlung hat Italien viel mehr Erfahrung als wir. Die Sommertemperaturen in Italien werden bald auch in der Schweiz zur Normalität werden – wer das nicht glaubt, ist herzlich eingeladen, uns im Tessin zu besuchen.

Und was erhofft sich Italien?
Die Verantwortlichen von Minergie Italien möchten keine weitere Energieetikette einführen – davon gibt es in Italien bereits zahlreiche. Stattdessen streben sie ein Produkt an, das sich analog zu Minergie in der Schweiz versteht: Es soll die Energieeffizienz gezielt steigern und gleichzeitig das Thema Komfort sowie Klimaschutz adressieren.
In Italien soll der Fokus zudem stärker auf den gesamten Bauprozess gerichtet werden, da die Qualitätssicherung beim Bauen eine zentrale Herausforderung darstellt.

Wie unterschiedlich sind die Anforderungen?
Die Anforderungen von Minergie in Italien unterscheiden sich teilweise von jenen der Schweiz, da sie sich an den italienischen Normen und Gesetzgebungen orientieren. Beispielsweise muss bei einem Minergie-Gebäude in Italien, anders als in der Schweiz, nicht die maximal mögliche Dachfläche mit einer Photovoltaik-Anlage belegt werden. Dafür kommen der Qualitätssicherung und Kühlung mehr Aufmerksamkeit zu. Ausserdem stellt Minergie in Italien neben Pflichtanforderungen auch Wahlanforderungen, ähnlich wie beim Zusatz ECO von Minergie in der Schweiz. Die Treibhausgasemissionen in der Erstellung sind etwa nur als Wahlvorgabe enthalten, sonst wäre es zu viel zum Start. Einige Anforderungen betreffen zudem den Planungs- und Ausführungsprozess. So müssen bei der Planung und Ausführung beispielsweise Checklisten geführt werden, um die Minergie-Bauqualität zu gewährleisten.

Das Gründungsjahr ist nun vorüber, wie geht es weiter?
Mittlerweile sind 22 Projekte provisorisch oder definitiv zertifiziert. Die Euphorie ist nach wie vor gross. 28 Fachpartner wurden bereits im Verein aufgenommen. Diese sind sehr stolz und proaktiv für Minergie Italien unterwegs. Ich bin überzeugt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

axc8110_h

Das Einfamilienhaus in Tradate (Varese) gehört zu den ersten Minergie-Gebäuden in Italien.

2025 06 27_08 19 39

Das Einfamilienhaus in Castel D’azzano (Verona) gehört zu den ersten Minergie-Gebäuden in Italien.