Neue Effizienz für ein Haus aus dem späten 19. Jahrhundert

«Minergie-ECO-Sanierung in Cimo»

Sanierung, Einfamilienhaus

Das Projekt in Kürze

Das Ende des 19. Jahrhunderts erbaute Gebäude befindet sich in Cimo im Kanton Tessin und besteht aus einem dreistöckigen Hauptgebäude und einem Nebengebäude, in dem sich früher die Ölheizung befand. Das Gebäude liegt an zentraler Lage und ist nach Süden, Westen und Osten hin offen.

Bei der Sanierung nach dem Minergie-ECO-Standard stand insbesondere die Verbesserung des energetischen und funktionalen Komforts des gesamten Gebäudes im Mittelpunkt. Konkret wurden alle Fenster und Türen des Wohnbereichs durch thermisch getrennte Stahlfenster und -türen mit Dreifachverglasung ausgetauscht.

Die bestehende Ölheizung wurde durch eine Erdwärmepumpe ersetzt. Auf dem Dach wurde eine Photovoltaikanlage mit einer Leistung von rund 10,7 Kilowatt-Peak installiert. Die verwendeten opaken, terrakottafarbenen Photovoltaikmodule wurden in die Dachdeckung integriert. Die zuvor pastellgelb verputzten Nord- und Ostfassaden, wurden von aussen gedämmt und in der ursprünglichen Farbe neu verputzt. Die Süd- und Westfassaden aus gemischtem Sichtstein wurden hingegen von innen gedämmt und haben so ihr ursprüngliches Aussehen beibehalten. Zusätzlich wurde an den Wänden zum Nachbargebäude eine innere Dämmschicht angebracht. Zum Einsatz kamen überwiegend Dämm- und Verputzmaterialien pflanzlichen und mineralischen Ursprungs, wie Holzfasern und Produkte auf Kalk- und Lehmbasis, die am besten zu den Eigenschaften des Gebäudes passen.

In die Fassade wurde eine neue, nach Osten ausgerichtete Öffnung für den Essbereich eingefügt und eine bestehende Öffnung für die Küche wiederhergestellt. In der Südfassade wurde auf Höhe des Wohnzimmers im Erdgeschoss zudem eine neue Öffnung (Lichtzunge) geschaffen, um die Helligkeit in den Räumen zu erhöhen und den solaren Energieeintrag zu steigern.

Ein Grossteil des Abbruchmaterials (Steine) wurde vor Ort wiederverwendet. Beispielsweise für die Erhöhung der Umfassungsmauer, die Befestigung von Böschungen und die Reparatur von Trockenmauern im Garten des Anwesens.

Das Projekt wurde in Zusammenarbeit mit dem Studio Cappelletti Sestito entwickelt.

  • Leonardo Snozzi, Leiter Bauwesen und Bauphysik bei Ruprecht Ingegneria SA

    «Ich finde es wichtig, hin und wieder etwas zu wagen. In diesem Fall handelte es sich um meine erste Minergie-Zertifizierung. Gleichzeitig bot sich die Gelegenheit, etwas auszuprobieren, was andere Bauherrschaften normalerweise nicht umsetzen.»

    Leonardo Snozzi, Leiter Bauwesen und Bauphysik bei Ruprecht Ingegneria SA

Fragen an den Architekten

  1. Welche Vorteile bietet Ihrer Meinung nach der Zusatz ECO? 
    Bei diesem Projekt war der Zusatz ECO nahezu vorgegeben. Wir hatten die Verwendung von Dämmstoffen auf Basis von Holz und Mineralien – insbesondere Kalk – sowie von Innen- und Aussenverkleidungen auf Kalk- und Lehmbasis vorgesehen. In diesem Sinne war die Liste der Anforderungen an das Ergänzungsprodukt beinahe eine Art «Vademecum».

    Allerdings ist es für Auftraggebende und Planende nicht immer einfach, sich an die Vorgaben eines bestimmten Standards anzupassen, auch wenn das gemeinsame Ziel die Effizienzsteigerung ist. Die kantonalen Sanierungsanreize haben sicherlich einen wichtigen Impuls gegeben.

  2. Was waren die grössten Herausforderungen während des Sanierungsprojekts?
    Es gab mehrere kritische Aspekte, insbesondere einen in Zusammenhang mit der Zertifizierung selbst: Ursprünglich war das Projekt nach dem Minergie-A-ECO-Standard geplant. Bei der Durchführung des Blower-Door-Tests wurde jedoch eine erhebliche Luftdurchlässigkeit festgestellt, vor allem im Bereich des Hauptdachs. Ich habe so weit wie möglich mit Stuckateuren, Zimmerleuten und Fensterbauern an der Gebäudehülle gearbeitet. Die Werte beim nächsten Test haben sich verbessert, aber trotz der Massnahmen war offensichtlich, dass wir uns für eine einfachere Zertifizierung entscheiden mussten – was schliesslich auch geschehen ist.

  3. Was sind Ihre Empfehlungen für die Sanierung eines Gebäudes nach Minergie-ECO?
    Ich finde es wichtig, hin und wieder etwas zu wagen. In diesem Fall handelte es sich um meine erste Minergie-Zertifizierung. Gleichzeitig bot sich die Gelegenheit, etwas auszuprobieren, was andere Bauherrschaften normalerweise nicht umsetzen.
    Eine Sanierung bietet zudem die Möglichkeit, mit der eigenen Sensibilität – die mehr oder weniger mit dem persönlichen Werdegang zusammenhängen kann – auf das Gebäude einzuwirken und es aufzuwerten. Daher ist es wichtig, sich mit allen Aspekten des Projekts auseinanderzusetzen und nicht nur die technischen, sondern auch die visuellen und ausführungsbezogenen Aspekte zu berücksichtigen.

Das Gebäude auf einen Blick

Baujahr 2025
Energiebezugsfläche (EBF) 315 m2
Photovoltaik Photovoltaikanlage mit 10,72 kWp
Heizung PdC mit geothermischen Sonden
Zertifikat TI-013-ECO